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sWespen (Vespidae): Stenogaster von den Philippinen

In den wenigen noch bestehenden Urwaldgebieten der Philippinen sind auch heute überraschende Entdeckungen in der Tier- und Pflanzenwelt möglich. Leider werden diese wenigen Regenwaldgebiete unaufhaltsam zerstört und mit ihnen die reiche Tier und Pflanzenwelt. Es scheint zur Zeit kein Mittel zu geben, den Rodungen der Wälder Einhalt zu gebieten, selbst in den sogenannten Naturreservaten geht das Abholzen und Siedeln unvermindert weiter. Zwar verfügen auch die Philippinen über ein Artenschutzgesetz. Dass dieses aber zu einer Alibiübung verkommt, zeigt das reale Bild der Vernichtung der Lebensräume auf allen Inseln dieses Archipels. Andererseits verhindert dieses Gesetz jede private Forschung. Weisen kleinere Inseln praktisch keine Primärvegetation mehr auf, sind auch die grösseren und grossen Inseln wie Luzon, Mindanao, Negros, Samar, Leyte bis zu 80 % abgholzt. Die Biodiversität nimmt deutlich ab, noch unbekannte Arten der Fauna und Flora verschwinden mit der Vielfalt der Vegetation. Es ist absehbar, dass in nicht allzu ferner Zukunft nichts mehr übrig bleibt von der einzigartigen Vielfalt dieses einstigen Naturparadieses. Dies ist umsomehr zu bedauern, da über 50 % der Arten endemisch für die Philippinen sind, also nirgend wo anders zu finden sind. Hunderte von Arten sind nur auf einer Insel, ja sogar nur auf einem isolierte stehenden Gebirgszug zu finden.

Anlässlich einer Forschungsreise im März/April 1995 auf der Insel Mindanao besuchten wir auch den Osten dieser Insel. Viele Flüsse und Bäche entwässern den Osthang der Bergkette in den Pazifik. Die Küstenbereiche sind bar aller Regenwälder und meist mit Kokospalmen und Kogongras bewachsen. Einige Täler weisen noch schmale Waldstreifen mit reichhaltigem Tierleben auf. So auch bei Baganga in der Provinz Davao Oriental, wo wir an einem kleinen Seitenbach des Baganga River nach Libellen (Odonata) forschten. Auf der Suche nach den meist versteckt lebenden Kleinlibellen (Risiocnemis, Drepanosticta, Amphicnemis u. andere Gattungen) fand ich an einem Felsen, hinter herabhängenden Farnen gut getarnt, eine kleine Kolonie von hängenden Nester der Wespengattung Stenogaster. Hochinteressant sind die Arten dieser Gattung insofern, als die Tiere sich darauf spezialisiert haben, den Spinnen die Beute aus den Netzen zu rauben. Dabei gehen sie so raffiniert vor, dass die Spinnen die Erschütterungen nicht registrieren können, wenn die Wespen die Beutetiere aus den Fäden der Netze lösen. Die zirka 10 bis 15 mm grossen Raubwespen bewegen sich auf dem Netz äusserst geschickt, damit sie nicht in den klebrigen Fäden hängen bleiben. Leider erlaubte der kurze Aufenthalt nicht zu näheren Verhaltensstudien.

Die 14 bis 20 cm langen, schlanken, faszinierend gebauten Nester hängen in kleinen Kolonien an filigranen Fäden. Diese sind unter einem Überhang der Felswand befestigt sind. Der Eingang befindet sich am unteren Ende der wie Tüten gerollten Nester. Die Brutkammern werden laufend mit einer seidenpapierdünnen Hülle umbaut. Durch die Verarbeitung verschiedenartiger Baustoffe wie Holz oder anderer Pflanzenteile entstehen die marmorartig gemusterten Tütennester. Wie auf dem Bild ersichtlich ist, sind meist eine bis vier Wespen damit beschäftigt, die Aussenhaut zu verlängern. Bemerkenswert ist dabei, dass der untere Rand der Aussenhülle stets mit dunklem Material gefertigt wird.

Nesterkolonie der Wespengattung Stenogaster,
Insel Mindanao, Davao Oriental Privinz, Baganga

Die kleinen schlanken Wespen sind dunkel gefärbt. Der Thorax (Brust) ist dunkelbraun, das Abdomen (Hinterleib) glänzend schwarzbraun, beide sind mit kleinen gelben Flecken. Das erste Hinteleibsegment ist sehr lang und dünn. Darauf weist der wissenschaftliche Gattungsname hin, das griechische Wort "steno" bedeutet dünn, schlank, Bauch heisst in der gleichen Sprache "gaster" - Stenogaster = Dünnbauch.

Bach bei Baganga, links im Schatten der Bäume befanden sich die Kolonien Nesteingang mit zwei bauenden Wespen, ganz deutlich ist das erste, lange und dünne Hinterleib-segment zu sehen

Auch an der Ostseite der Sierra Madre auf der Insel Luzon entdeckte ich 1996 eine andere Art dieser geschickten Baumeister Stenogaster. In etwa 800 Metern über Meer am Mt Anaguao, Provinz Aurora, fand ich die hängenden Nester an einem riesigen, verrottenden Baumstamm, der quer über einem Urwaldbach lag. Es war auch hier eine kleine Kolonie von Nestern, die aber nicht in Gruppen beieinander hingen, sondern sich auf die ganze Unterseite des Stammes verteilten. Die einzelnen Nester sind nicht so filigran gebaut wie diejenigen der vorher beschriebenen Art. Die Aussenhülle ist geschlossen. Auf den Bildern deutlich erkennbar sind die einzelnen Brutkammern. Die Behausungen sind kleiner und zierlicher, etwa 7 bis 10 cm lang. Auch hier faszinieren die marmorierten Hüllen, die hauchdünn wie feines Japanpapier sind.
Die Tiere dieser Art sind ebenfalls glänzend schwarzbraun, die hellgelben Flecken auf dem Abdomen sind aber viel kleiner. Wenn die Tiere im Schatten unter dem Baum fliegen, erscheinen die Flügel leicht irisierend bläulichviolett. Eigentlich habe ich die Nester im fast nachtdunklen Urwaldschatten unter dem Baumstamm erst entdeckt, als mir mich die kleinen, fliegenden Insekten mit ihren irisierenden Flügeln umschwirrten. Alle Bilder habe ich mit dem Blitz aufgehellt.


Nester von Stenogaster, die vereinzelt unter einem verrottenden Baumstamm hängen,
Insel Luzon, Aurora Provinz, Mt Anaguao, ca 800 m ü. Meer

Nach Ansicht eines Spezialisten scheinen beide noch unbekannt zu sein. Näheres dazu werden erst genauere Studien einiger gesammelter Exemplare ergeben. Die Belege befinden sich in den wissenschaftlichen Sammlungen des Naturhistorischen Nuseums "Naturalis" in Leiden NL. Wer sich wissenschaftlich für diese faszinierenden Insekten interessiert, wird in Dr. Kees van Achterberg, Konservator am besagten Institut, einen kompetenten und freundlichen Ansprechpartner finden



Stenogaster im Anflug zum Nest
Insel Luzon, Aurora Provinz, Mt Anaguao
Ein anderes Nest der Stenogaster-Wespe, deutlich sind die Brutkammern zu erkennen, gleicher Fundort wie linkes Bild

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