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Seychellen-Nuss


Die Seychellen
bestehen aus 34 Inseln, liegen im indischen Ozean etwas südlich des Aequators, verteilt zwischen etwa 3° bis 5.5° südlicher Breite und 55° bis 56° östlicher Länge. Die Gesamtfläche der Inseln beträgt um 264 qkm. Victoria auf Mahé, der grössten der Inseln, ist die Hauptstadt.
Entdeckt wurden die Inselgruppe im 16. Jahrhundert, wahrscheinlich durch den portugiesischen Seefahrer Ferdinand Suarez im Jahre 1506. 1742 annektierte der Kapitän Lazare Picault im Auftrage des Mahé de Labourdonnaye, Gouverneur der französischen Besitzungen in Indien, die Inselgruppe für Frankreich. Ihren heutigen Namen erhielten sie etwas später zu Ehren des französischen Marineministers Hérault de Seychelles. Obwohl die Inseln auch den Arabern bekannt waren, liessen sich die frühesten Siedler erst 1742 nieder. Sie kamen vorwiegend aus Mauritius und Réunion (damals Isle de France und Isle de Bourbon).
1794 übernahm ein britisches Geschwader die Inseln, 1814 gingen sie offiziell an das British Empire. Der Hafen von Mahé erhielt den Namen Port Victoria.

Einige der Inseln sind felsig und gebirgig, der höchste Berg misst immerhin 915 Meter und liegt auf der Hauptinsel Mahé, andere Eilande sind flache Korallenatolle.
Das Klima ist tropisch-ozeanisch. Von den verheerenden tropischen Taifunen bleiben die Inseln weitgehend verschont. Die gleichmässig warmen Temperaturen und regelmässigen Niederschläge liessen eine üppige Vegetation entstehen.
Die Artenvielfalt auf den Inseln ist wegen ihrer grossen Distanz zum Festland eher artenarm. Andererseits aber konnten sich dank der langen Isolation eine Reihe von endemischen Tier- und Pflanzenarten entwickeln. Bekannt sind einige Vogelarten, besonders aber die Riesenschildkröten. Das bekannteste Naturprodukt aber sind die Seychellenpalmen mit ihren seltsamen Nüssen.

Die Seychellen-Nuss ist der grösste Einzelsame im Pflanzenreich. Die Nüsse wachsen auf der Seychellenpalme Lodoicea seychellarum Labill. Dem Auszug oben, aus einem alten Lexikon kopiert, kann man entnehmen, dass die Nüsse bis 15 kg schwer werden können. Die Schalen sind mit einer dicken, äusseren Hülle, ähnlich der Kokosnuss, umschlossen. Diese bastartig-faserige Schale ist bei der hier vorgestellten Nuss entfernt worden. Die Schale wurde bis zu 2 mm abgetragen, um die reliefartigen Figuren entstehen zu lassen. Deutlich ist auf dem Bild die zweigeteilte Nuss sowie die drei Figuren zu sehen. Links die Gottheit?, rechts Haus und Palmen und in der Mitte der Hirsch. Die Rückseite ist ohne Figuren, nur die rauhe Schale ist geglättet.

Geschichte der Seychellen-Nuss
Viele Geheimnisse und Vermutungen umrankten diese eigenartigen Früchte. Bereits im auslaufenden Mittelalter gelangten hin und wieder einzelne der seltsamen Doppelkokosnüsse über die alten Handelswege durch den Orient nach Europa. Mit der regelmässigen Umseglung des Kaps der guten Hoffnungen gelangten die meisten Nüsse über Spanien, Portugal oder Holland nach Mitteleuropa. Bekannt war nur, dass die Nüsse gelegentlich an den Meeresstränden des indischen Ozeans gefunden wurden aber niemand wusste, woher sie angeschwemmt wurden. So erzählten die Einen, es gebe nur einen einzigen Baum, an dem die Früchte wuchsen, irgendwo in Indonesien, vermutete man. Der Standort aber war unbekannt, keiner hatte den Wunderbaum je gesehen. Andere wiederum vermuteten, dass die Frucht an einem unterseeischen Baum reife, der unter der Wasseroberfläche, in der Tiefe des indischen Ozeans gedieh. Dass die seltsamen Gebilde aus Indien nach Europa geliefert wurden, dem Kontinent mit vielen Geheimnissen und Wundern, machte sie umso begehrter. Wegen ihrer Seltenheit waren die Nüsse extrem teuer und nur mit Gold oder Edelsteinen aufzuwiegen. So bot der deutsche Kaiser Rudolf II. (1576-1612) für eine einzige Nuss viertausend Gulden, erhielt sie aber nicht, scheinbar war der Preis zu niedrig. Den Nüssen wurde eine heilende Wirkung angedichtet, sie soll auch gegen Gifte gewirkt haben. Wahrscheinlich wegen ihrer eigentümlichen Form wurde ihnen, pulverisiert und mit gemahlenen Korallen, Ebenholz , Hirschhorn und dem geraspelten Horn des Nashorns gemischt, auch eine potenzsteigende Wirkung zugesprochen. Schon das Trinken aus der Schale versprach wundersame Heilung und Stärkung. So liessen sich reiche Fürsten und Herrscher Trink-und Essgeschirre, prachtvoll mit Gold und Edelsteinen verziert, von Kunsthandwerkern anfertigen. Nur schon die Schalenteile der Wundernuss erzielten hohe Preise und Scharlatane liessen für teures Geld die Leute daraus trinken.
Da sie sich hohe Gewinne versprachen, suchten Portugiesische, spanische, englische und andere Abenteurer nach dem Baum, ohne aber vorerst fündig zu werden. Da sie oft an den Gestaden der Malediven gefunden wurde, vermutete man sie in diesem Gebiet und sie erhielt von Botanikern den Namen Cocos maledivicus.
Der oben erwähnte Kapitän Lazare Picault erhielt im Jahre 1743 den Auftrag, die Seychellen-Inseln näher zu erforschen. Er fand dann die grossen, eindrücklichen Palmen auf einer Insel, nicht aber die Nüsse. Als unter der Leitung des Kapitäns Duchemin eine Forschungsreise zu den Inseln unternommen wurde, begleitete ihn ein Hydrograph mit Namen Barré. Dieser entdeckte die Palmen und die Nüsse, teilte dies aber nur dem Kapitän mit und sie behielten das Geheimnis für sich. 1770 segelten die beiden wieder zu den Inseln und brachten eine ganze Schiffsladung dieser Nüsse nach Calcutta. Damit war es mit der Seltenheit und den immensen Preisen vorbei. Die Wundernüsse verloren nach und nach ihren Mythos, die modernere Medizin verbannte die zugedichteten, sagenhaften Heilkräfte ins Märchenland. Der Wunderglaube war dahin und die eigenartige Frucht geriet mehr und mehr in Vergessenheit.

Die Schnitzereien auf der rechten Schalenhälfte zeigen ein Langhaus aus der Vogelschauperspektive. Das Dach ist allerdings ohne Perpektive dargestellt, der vordere Eingang ist zweigeteilt, die linke Türe ist offen, die rechte Türe stellt einen Verbund mit Bambusstäben dar, mit acht senkrechten, drei waagrechten und einem diagonalen Bambus. Links des Hauses ist ein kleiner, rechts ein grosser Gartenzaun angeschlossen, der rechte Zaun ist gekrönt mit einer Reihe von Bambusspitzen. Links hinter dem Zaun steht eine prachtvolle Palme? mit fächerartigen Blättern, rechts steht ein stattlicher Baum mit wunderschön gerundeter Krone. Links oben der Hauseinheit steht ein Hirsch nach rechts mit einem Geweih aus neun Enden.

Man beachte auch die prächtigen Rundungen der Nuss!

Die Palme wird etwa 20 bis 30 Meter hoch und trägt eine Krone mit fächerförmigen, langen Blättern. Ich selber habe die Palme nie gesehen, sie soll aber mit ihren prachtvollen, mehrere Meter langen Blättern und den grossen Nüssen überaus eindrücklich auf den Besucher wirken. Die männlichen und weiblichen Blüten wachsen auf verschiedenen Bäumen. Die Früchte reifen in Trauben zu vier bis sechts Stück. Sie bleiben lange am Baum hängen, bis sie reif herunterfallen. Das Fruchtfleisch ist ungeniessbar, der Saft junger Früchte kann genossen werden.

Obwohl die Nüsse oft an den Gestaden des indischen Ozeans angeschwemmt werden, keimen sie scheinbar nirgendwo ausserhalb der Seychellen. Anders als die Nüsse der Kokospalmen, die fast überall in den Tropenregionen zu keimen beginnen und so über den ganzen Tropengürtel verbreitet wurden. Scheinbar sind es besondere klimatische Einflüsse oder eine spezifische Zusammensetzung der Humusschicht, die der Seychellenpalme zu ihrem Wachstum verhilft.

Auf der linken Seite der Schale ist das Brustbild einer Gottheit? dargestellt. Den Kopf bedeckt eine Kappe mit aufgesetzter Krone, die Haare sind lang und fallen strähnig auf beiden Seiten des Kopfes. Die kurzen Ärmel einer Bluse bedecken die Oberarme zur Hälfte. Der linke Unterarm ist nach rechts oben erhoben. Der rechte Arm ist leicht nach innen gebeugt, die Hand in den Schoss gelegt. Die rechte Schulter ziert eine Art Patte, die linke ein kleines Horn. Die Figur trägt einen Gürtel mit rundem Verschluss, rechts davon ein undefinierbarer Aufsatz. Unter dem Gurt der plissierte Saum der Bluse. Auf der rechten Brust ein undeutliches Abzeichen.

Masse der Nuss
Breite: 260 mm, Höhe: 240 mm, Dicke: 155 mm
Wie auf den Bildern zu sehen ist, ist die Nuss etwas abgeflacht.

Namen der Palme und der Nuss
Wissenschaftlicher Name: Lodoicea sechellarum Labill.
früher: Coco maledivicus, Nux media
Andere Namen: Seychellenpalme, Salomonspalme, Meer-Kokosnuss, Doppel-Kokosnuss, Wundernuss
Coco de Mar, Sea Coconut,
früher in Indien: Travantschere, was "Schatz" bedeutet
Malayisch: Kalapa laut (Kalapa = Kokosnuss, La-ut = Ozean)
Endemisch bedeutet, dass eine Pflanze oder ein Tier nur an einem bestimmten Ort, einer Insel, eines Gebirgszuges eines Kontinentes vorkommt. Also ist die Coco de Mar auf den Seychellen endemisch, weil sie sich nur dort entwickelte. Der Kolibri ist in Amerike endemisch, weil er nur auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet ist!

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