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Die Erhaltung antiker Münzen






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Generell lässt sich sagen, dass die Kriterien der Erhaltungsgrade bei antiken Münzen denjenigen der modernen Gepräge entspricht. Tendenziell ist der Sammler oder Händler geneigt, bei den antiken Münzen etwas weniger kritisch zu bewerten. Die oft unterschiedlichen Bewertungen in den Auktionskatalogen und Verkaufslisten lässt den Einsteiger oft im Zweifel, in welche Erhaltungs-Kategorie er seine Münzen einordnen soll. Er wird nicht umhin kommen, sich Auktionsmaterial anzuschauen und mit den Katalogangaben zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen, wie kritisch die Auktionsfirma die Münzen bewertet.

Nun müssen wir aber zuerst feststellen, was „Erhaltung“ bedeutet. Am Anfang steht die Prägung oder Fertigung der Münze. Jede Münze wurde einzeln in Handarbeit geprägt. Bei dieser Produktion entstehen Fehler, dezentrierte Prägungen, Risse in den Schrötlingen, Stempelbrüche, flaue Prägungen, entstanden durch zu wenig heisse Schrötlinge oder zu wenig kräftigem Schlag auf den Oberstempel. Man verfügte noch über keine hochwertigen Stähle und durch die Prägungen verflachten Relief und Schriftzüge. Wurden die Stempel für einige Zeit nicht gebraucht, setzte sich Rost an, solche Rostlöcher auf der Oberfläche des Stempels übertragen sich bei der Prägung auf die Münzoberfläche und hinterlassen grössere oder kleiner Runzeln und Warzen. Oftmals wurden zur Prägung zu kleine Schrötlinge verwendet, sodass Teile des Münzenbildes oder der Legende nicht geprägt wurden. Alle diese Produktionsfehler sind nicht Kriterium der Erhaltung, beeinflussen aber die Preis der Münzen enorm.

Wenn nun die frisch geschlagenen Münze die Produktion verlassen haben, haben wir eine unzirkulierte Münze vor uns. Im Verlaufe der Zeit beeinflussten aber äussere Umstände das Aussehen der Prägungen. Beim mehr oder weniger intensiven Umlauf nutzten sich die Münzen ab, chemische Einflüsse veränderten vor allem die Bronzemünzen. Münzen wurden verloren oder wurden bei kriegerischen Auseinandersetzungen vergraben. Je nach der chemischen Zusammensetzung des Erdreiches veränderte sich die Münzoberfläche. Im schlechtesten Falle korrodierten die Teile komplett, bei idealen Bedingungen entwickelte sich eine mehr oder weniger wertvolle Patina. Gold-Elektron- und Silbermünzen sind weitaus stabiler gegen Umwelteinflüsse. Bei Silbermünzen mit viel Fremdmetalleinmischung wird eben letzteres herauskorrodiert und es entsteht eine raue, feinporige Oberfläche, die dann das Münzbild negativ beeinflusst. Negativ auf die Erhaltung wirken sich auch die sogenannten Kontrollhiebe aus. Dies sind Kerben, die in antiker Zeit mit einem Meissel in die Münze geschlagene wurden, um deren Echtheit zu Prüfen. Sodann können Gegenstempel und Punzen das Münzenbild beinträchtigen, sind andererseits aber oft aus historischer Sicht von grossem Interesse, geben sie doch Hinweise auf die Verwendung der Nominale und deren Gültigkeit in gewissen Hoheitsgebieten.

Wir haben nun die wichtigsten Kriterien von Herstellungsfehlern und der Erhaltung ein wenig analisiert. Bei der Preisgestaltung muss sich der Sammler selber Gedanken darüber anstellen, wie er sie gewichten soll. Ist eine vorzüglich erhaltene, aber vielleicht dezentrierte Münze schöner als eine leicht umgelaufen, auf der man alles erkennen kann? Ärgert uns ein kleiner Randschlag oder leichter Kratzer auf einer ansonst vorzüglichen Münze mehr als ein schlechter Stile des Münzenbildes? Da muss jeder Sammler selber entscheiden, wie er kleine Fehler beurteilen will. Gute Numismatiker erwähnen bei der Beschreibung der Lots in den Auktionskatalogen solche Fehler wie z. B.: „müder Reversstempel, ansonsten vorzüglich“, das heisst, die Rückseite ist nicht etwa abgegriffen oder verkratzt, sonder einfach von einem schon stark verbrauchten Stempel geprägt.



Deutsch
Englisch Französisch Italienisch
Stempelglanz, UNC Brillant uncirculated (BU) Fleur de coin (FDC) Fior di conio
Vorzüglich (vz) Extremly fine (EF) Superb (SU) Splendido
Sehr schön (ss) Very fine (VF) Très beau Bellissimo
Schön (s) Fine Beau Molto bello
Sehr gut erhalten Very good Très bien conservé Bello



Stempelglanz: Wie der Name es sagt, Münzen die wirklich aussehen wie wenn sie direkt vom Stempel gesprungen sind und noch den typischen Prägeglanz zeigen, also kaum sichtbare Gebrauchsspuren, mechanische oder chemikalische aufweisen. Solche Stück die dieses Prädikat wirklich verdienen, finden sich bei antiken Geprägen äusserst selten.
Vorzüglich: Münzen, die kaum umgelaufen sind, also keinerlei Abnützungen an Relief oder Legenden aufweisen. Minime Kratzer, Randschlage, Grafitis, Stempel- oder Schrötlingsrisse sollten speziell angemerkt werden. Bei Bronzemünzen sind die Prägespuren oft nicht mehr klar sichtbar, da sie meist durch eine mehr oder weniger dicke Patinaschicht bedeckt sind.
Sehr schön: Die Münzen zeigen bereits leichte Abnützungsspuren, kleinere Kratzer oder Randschläge. Kleinere, nicht störende Korrosionen sind zu tolerieren, ebenso kleinere Auflagen. Die Legenden müssen noch klar ersichtlich und lesbar sein.
Schön: Bereits stark umgelaufene Münzen, die aber noch ein klares Münzbild zeigen und somit bestimmbar bleiben. Starke Kratzer, Korrosionen, die aber das Bild nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen haben.
Sehr gut erhalten: Starke Abnützungsspuren, Münzbilder gerade noch erkennbar. Hierunter fallen auch alle scharf gereinigten Münzen, bei denen die Patina mechanisch oder chemische "weggereinigt" wurde. Münzen mit dieser Erhaltungsgrad sind eigentlich nicht mehr sammelwürdig es sei denn, sie sind von historischer Wichtigkeit oder grösster Seltenheit.



In der Tabelle ersehen sie die Hauptkategorien der Erhaltungsgrade. Oft wird es nötig sein, eine Münze noch etwas genauer zu definieren. Vielleicht ist das Stück für ss zu schön, für ein vz aber zu wenig gut, so verwendet man dann gerne ein ss+ oder ss-vz oder –vz, also fast vz. Die Amerikaner verwenden oft ein Punktesystem, das aber viel zu kompliziert ist und deshalb in Europa nicht Fuss fassen könnte.

Es sei dem Einsteiger geraten, sich doch mit anderen Sammlern auszutauschen und von erfahren Numismatikern zu lernen. Immer und immer wieder Münzen vergleichen und in die Hand zu nehmen, mit der Zeit entwickelt er ein Gefühl und die Sensibilität, antike Gepräge zu bewerten. Nicht das Alter einer Münze zählt, sondern die Erhaltung und der Gesamteindruck. Nun muss hier aber auch gleich angemerkt werden, dass es von vielen Bronzemünzen schlicht und einfach keine perfekt erhaltenen Stücke bekannt sind, bei diesen Geprägen zählt allein das historische Interesse. Wenn man interessierten Laien die Münzensammlung zeigt, sind sie immer wieder beeindruckt, wie schön 2000 bis 2600 Jahre alte Münzen erhalten sein können.



Literatur:

Kroha, Till; Grosses Lexikon der Numismatik, Gütersloh, 1997

ISBN: 3-577-10554-2


Fassbender, Dieter; Lexikon für Münzensammler, Augsburg, 1996

ISBN: 3-89441-334-4


Welter Gerhard; Die Reinigung und Erhaltung von Münzen und Medaillen, Braunschweig, 1975



Weiterführende
Literatur


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