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Medaillen zu Hungersnot und Theuerung 1771/1773 und 1816/1817

In unserer, vom Überfluss geprägten Zeit, verwenden nur noch wenige Menschen Gedanken an die schrecklichen Hungersnöte jener Zeit. Es wurde damals darüber berichtet, dass im Appenzellerland die hungernden Menschen auf den verdorrten Wiesen nach Graswurzeln gruben. Aus der Hungersnotzeit ist sogar noch ein Rezept einer Maikäfersuppe überliefert. Maikäfer und viele andere Insekten haben einen hohen Gehalt an Proteinen und Fetten, die von den darbenden Menschen teilweise auch genutzt wurden. Das Rezept, von mir persönlich getestet und nach eigenem Gusto verfeinert, kann gerne auf Anfrage zugeschickt werden. Die Suppe mundet ausgezeichnet. Die heutigen Hungersnöte sind weitab unserer Zivilisation und berühren wenige Zeitgenossen. Nach einigen schockierenden Bildern über Hungerkatastrophen in Afrika, Asien oder Südamerika, die gelegentlich am TV ausgestrahlt werden, holt uns der Alltag mit seinem Überangebot wieder ein. Genüsslich beissen wir wieder in die fette Wurst, schieben etwas Brot nach und spülen mit entsprechendem Wohlbehagen mit einem kühlen Bierchen oder köstlichem Wein.

Diese Gedenkmedaillen vermögen vielleicht etwas die Probleme der damaligen Notzeiten aufzuzeigen. Die Ängste und Nöte der damaligen Bevölkerung, die Auseinandersetzung mit der übermächtigen Natur mit ihren Klimaschwankungen, all dies wird auf den Medaillen festgehalten. Aber auch der Huldigung an Gott, dem der Erntesegen zu danken war, finden wir auf den Bildern. Da kamen aber auch die Wucherer auf Gepräge, die sich an der notleidenden Bevölkerung schamlos bereicherten. Eindrücklich auch die Zinnmedaille, die 1773/1774 die Mäuseplage in Sachsen darstellt. Bemerkenswert die Steckmedaille , gestaltet vom bekannten Medailleur T. Stettner, mit handkolorierten Einlagen. Für die Prägungen wurden vorwiegend billigere Metalle wie Blei, Zinn oder Kupfer/Messing verwendet. Dies mag vielleicht mit ein Grund sein, dass diese Medaillen nicht so viele Liebhaber finden, ganz zu Unrecht eigentlich, wenn man das schöne, stilvolle Design betrachtet.

1 Medaille zur Hungersnot 1771/1772, Sachsen
Zinn 45 mm, 14.8 gr.
AV: "Grose Theurung - Schlechte Nahrung", Sachsendenkmal, im Feld: "Sach - sens / Denk - mahl / 1771 - 1772" in drei Zeilen, eingefasst im Laubkreis
RV: "in / Sachsen galt. / 1 Sch:Korn 13 Th / 1 Sch:Waitzen 14 Th / 1 Sch:Gerste 10 Th / 1 Sch:Haber 5 Th / Nach Dresdner / Maass" in 8 Zeilen, eingefasst im Laubkreis

R
2A Medaillen-Serie zur Hungersnot 1772/1773, Serie von 6 Medaillen
1. Viertel 1772,
Zinn 34 mm, 9.7 gr.
AV: DIE REICHEN MÜSSEN - DARBEN U. HUNGERN,Eine Hand aus den Wolken hält eine Waage, die rechte, tiefer hängende Schale mit einem Gewichtsstein worauf steht: 1 / PF, in der linken, höher hängenden Schale Korn worauf steht: 12 K, im Feld über der Waage: PSA - 34.11.V., im Abschnitt: FEIN ZINN / DANTES
RV: 1772 / DAS I. VIERTEL / IAHT / DA WAR DIE THEU / RUNG SO GROSZ / DAS VIELE 1000. FÜR / HUNGER / VERSCHMACHTETEN / DAS & BROD KO 12 K / IN SAXEN. 18.PF: / IOH.CH:REICH. / IN FÜRTH
2B 2. Viertel 1772
Zinn 33 mm, 9.3 gr.
AV: Links steht eine Kirche mit Friedhof, rechts steigt der Tod mit der Sense durch das Fenster in ein Haus, auf dem Platz dazwischen liegt eine verhungerte Person, darüber: DER TOD IST IN UNSERE HAEUSER KOMEN / IER: 9.21.V
RV: 1772 / DAS 2. VIERTEL / IAHR / GROSE KRANKHEITEN / UND STERBEN / VIELE 1000. AN HUN: / GER UND FAULENTEN / FIEBERN GESTORBEN / DAS & BROD KOS.:9.KR. / IN SAXE.16.PFE: / IOH.CHR:REICH. / DANT.
2C 3. Viertel 1772, Zinn 34 mm, 11.4 gr.
AV: In einem Tal ein Fluss mit Boot, beidseits fruchtende Felder, an den Hängen links und rechts Weinstöcke. Darüber scheint die Sonne über einem das Tal überspannenden Regenbogen, über allem: GOTT GIBT SONNE U:REGEN., im Abschnitt: APO.14.17
RV: 1772 / DAS.3.Viertel / IAHR. / DER SEEGENSREICHE / UND ANGENEHME SOMMER U ERNDE. / In FELDFRÜCHTEN / UND GESUNDE LUFFT / DAS & BROD.KOS.6.KR / IN SACHSEN.8.PFEN / IOH:CH:REICH.F: / FEIN ZINN.
2D 4. Viertel 1772, Zinn 35 mm, 11.0 gr.
AV: Rechts sitzt ein Jüngling nach links auf einem Stuhl, die rechte Hand ausgestreckt, die Linke auf die Seitenlehne gestützt auf der in drei Zeilen steht: DANK / DEM / HERRN, hinter dem Stuhl ein Weinstock mit drei reifen Trauben und Blättern. Links steht ein Tisch, bedeckt mit einem Tuch das bis zum Boden reicht, darauf eine verzierte Krone und Blüten (Lilien?), im Feld darüber Dreieck (Auge Gottes!) im Kreis von dem Strahlen ausgehen. Über allem: IA DER HERR GIBT GNADE UND EHRE PS.84.V.11, im Abschnitt: I.C.REICH. / INVENT:
RV: 1772. / DAS 4. VIERTEL / IAHR / DER ANGENEHME / HERBST.BIS ZUM ENDE / DES IAHRES. / SEEGENREICH AN KORN / UND WEINWACHS. / DAS & BROD KOS.3 KR. / IN SAXEN 4.PFE. / EIN APFEL.3 KR. / IOH:CH:REICH.
2E Alle 4 Viertel zusammen 1772, Zinn 39 mm, 16.0 gr.
AV: Die vorgehend beschriebenen AV-Bilder um zwei ineinandergestellte Quadrate angeordnet, zwischen den Bildern die Ziffern 1 - 2 - 3 - 4. Zwischen innerem und äussern Quadrat umlaufend die Bibelverse: PS.34.11 - IE.9.21 - AP.14.17 - PS.84.1, im inneren Quadrat: S; Kupferstift im Zentrum der Sonne
RV: 1772 / EIN WUNDER / VOLLES IAHR. / 1/4.ZUERST WAR HUNGERS / NOTH. / 2/4.DANN KRANKHEIT UNND / DER TOD / 3/4. IM FELD GAB GOTT VIL / SEGEN. / 4/4. DEM WEINSTOK GROS / VERMéGEN. / 1.SIM:KORN.80.GU, im Abschnitt: REICH.INVE:
2F Dankesmedaille 1773, Zinn 36 mm, 11.8 gr.
AV: Ein Mann kniet nach rechts vor einem Altar, darüber Sonne mit Strahlen, unleserliche Zeichen in der Sonne, darüber: DANKET DEM HERRN - PS.136.1.V., im Abschnitt: FEIN ZINN. / Dantes
RV: 1773. / IN DIESEM / IAHR.KOSTETE / 1.SR:KORN.8.GUL / 1.SR:WAIZ.16.GUL / 1.SR:GERS.17.GUL / 1 & BROD.5.PFN: / 1 MAAS BIER.6.PF: / UND NAHRVNG, darum herum in einem Band: DEN ER IST SEHR FREVNDLICH, im Abschnitt: I.C.REICH. / FÜRTH
3 Medaille gegen den Kornwucher 1772, Zinn 29 mm, 7.2 gr.
AV: Ein Mann geht nach rechts und trägt einen Sack Korn auf der Schulter, die linke Hand hält den zugebundenen Sack, die Rechte einen Stab. Auf dem Sack sitzt ein Teufelchen nach links, das den Sack aufgeschnitten hat, das Korn rinnt zu Boden, Umschrift: KORNIVD VERZWEIFEL.UND - GEH ZUM, das "GEH ZUM" führt zum aufgerissenen Rachen eines Drachenkopfes, der am rechten Rand nach links schaut, im Abschnitt: THEURE ZEIT / 1772
RV: Ein leerer Kornscheffel, auf der Innenwand: WER KORN INNE HELT / DEM FLUCHEN DIE / LEUTE, vorn auf der Aussenwand: ABER SEEGEN KOMT / ÜBER DEN DER ES / VERKAUFT, über dem Scheffel: FÜRCHTE GOTT, im zweiteiligen Abschnitt: SP.SAL.11.V.26. / REICH
4 Medaille auf die Mäusenot 1773/1774, Zinn 44 mm, 14.9 gr.
AV: Im Zentrum ein Haus, überragt von einem Baum (Linde?), links davon ein weiterer kleiner Baum und anschliessend ein Kornfeld in das eine Maus links hinein läuft. Rechts vom Haus ein Mann en face, der versucht die Mäuse zu vertreiben, rechts von ihm zwei kleine Bäumchen, unter der Standlinielinks ein Gemüseacker (Kohl), darunter ein Kornfeld, rechts zwei Kornfelder übereinander , in den Feldern 7 Mäuse, Legende: "Gott gab der Theurung ein Gebot: und strafte uns mit Mäuse Noth 1773",
alles in einem Laubkreis
RV: Auf einer Standlinie durch die Mitte das Sachsendenkmal, linksdavon fünf Bäume, rechts ein Baum und ein Mann mit Sense, rechts von diesem 3 weitere Bäume, unter der Standlinie links ein Kornfeld, rechts ein Acker, dazwischen kniet ein betender Mann nach links, darunter steht ein weiterer Mann mit Sense, links von ihm ein weiterer Gemüseacker, rechts ein Kornfeld. Über das Sachsendenkmal hält eine Hand aus den Wolken ein Band mit: IN SACHSEN, rechts neben der Hand eine strahlende Sonne. Umschrift: "Gott strafte unser Land: Jetzt reicht er seine Hand 1774"
RR
5 Medaille auf die Hungersnot 1816/1817
Messing versilbert 33 mm, 12.8 gr.
AV: Eine Mutter sitz nach rechts auf einem Stein, hält ein Kind im rechten Arm, vor ihr steht ein weiteres Kind an sie gelehnt und hält die Hand bittend zur Mutter. Legende: O GIEB MIR BROD MICH HUNGERT., im Abschnitt: IETTON, am Fuss des Steins: "Stettner" (Medailleur aus Bayern)
RV: Aus den Wolken hängt eine Waage, in der linken Schale ein Gewichtsstein, darunter 1&3L, in der rechten Schale Korn, darunter 12.KR, zwischen den Schalen: 1 MAAS BIER / 8 1/2 KR, auf der Standlinie liegt ein Anker und eine Garbe Korn, links und rechts davon Getreidehaufen. Legende: VERZAGET NICHT - GOTT LEBET NOCH., im Abschnitt: 1816.U 1817. / L
6 Gleiche Medaille wie Nr 5
Messing versilbert 33 mm, 12.8 gr.
Stempel nachgearbeitet, viele Details feiner geschnitten (Anker, Garbe, Wolken, Schriften usw.), Versilberung massiver, vielleicht 2. Auflage?
7 Dosenmedaille auf die Hungersnot 1816/1817 von T. Stettner
Zinn 50 mm, 30.7 gr.
AV: Im Zentrum sitzt ein Mann auf einem Stein nach rechts, die linke Hand zum Himmel erhoben, die Rechte auf dem Schoss, vor ihm sitzt ein Knabe auf einem Stein, Kopf und Hände auf die Knie des Vaters gelegt, links steht eine Frau nach rechts, die Hände vor dem Schoss verschlungen, hinter ihr ein Grabkreuz, rechts im Feld steht eine weitere Frau nach links und wischt sich mit der Schürze die Tränen ab, hinter ihr leere Getreidehalme. Hinter der ganzen Szene ein knorriger Baum. Legende: GROS IST DIE NOTH - O HERR ERBARME DICH., im Abschnitt: 1816.U:1817:
RV: Eine Landschaft mit Kornfeldern, im Hintergrund links ein Dorf mit Kirche mit zwei Spitztürmen und Bäumen. Vor den Feldern steht ein Mann in Sonntagstracht nach rechts, die Hände zum Gebet gefaltet, unter dem rechten Arm ein Dreispitzhut. Vor ihm steht ein Mädchen nach links und hält ihm den Erntekranz entgegen. Am rechten Mittelgrund zwei Leute am Korn schneiden, davor stehen zwei Garben auf dem Feld. Über der Landschaft schwebt ein Engel nach links, in der rechten Hand eine Kornähre. Legende: ERKENNE - DAS EIN GOTT IST, im Abschnitt: T.Stettner.fec (T. Stettner, Medailleur aus Bayern)

Inhalt der Dose:

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